Altes Rathaus

Markt 1
Sanierung Turm, Holztragwerk Dach und Fassade

Marktwestseite Marktwestseite (Bild: Michael Miltzow)

Baugeschichte

Das Jenaer Rathaus entstand nach den ersten Erwähnungen mit der Fertigstellung des südlichen Gebäudeteils im Jahre 1378. Als gotisches Doppelhaus gehört es zu den ältesten erhaltenen großen Rathausbauten aus dem Mittelalter. Im Jahre 1755 wurde im Rahmen von größeren Umbaumaßnahmen der Fachwerkturm mit seiner barocken Haube eingefügt. Seine ursprüngliche Gestalt und Funktion als Glocken- und Uhrenturm mit spätgotischer Kunstuhr hat sich bis heute erhalten.

Stahlkonstruktion im Dach Stahlkonstruktion im Dach (Bild: Michael Miltzow)

Statische Probleme

Der Aufbau des Turmes im Jahre 1755 erfolgte ohne Verbindung zur Dachkonstruktion, sodass der Turm statisch völlig frei stand. Ein weiteres Problem stellte die Lastabtragung in die Unterkonstruktion aus Deckenkonstruktion, Wänden und Pfeilern dar. Der Turm sitzt mit seiner Ostseite auf dem Außenmauerwerk des Rathauses auf, das im Obergeschoss eine Neigung in Richtung Markt aufweist. Auch der Turm hatte sich durch Witterungseinflüsse in diese Richtung geneigt.

Rathausdiele Rathausdiele (Bild: Michael Miltzow)

Statische Sicherungsmaßnahmen

Ziel der Sanierung war die Sicherung der Turmverschiebung und der Holzunterkonstruktion zur Lastabtragung. Im Rahmen der Sanierung erfolgte u.a. der Austausch von schadhaften Hölzern und Gefachen, die Verstärkung der Holzkonstruktion, die Herstellung von kraftschlüssigen Anbindungen, der Einbau von Zugankern und der Einbau von Spannankern zur Lastabtragung bis in den Gründungsbereich.

historische Ansicht / sanierter Turm historische Ansicht / sanierter Turm (Bild: Stadtarchiv/Michael Miltzow)

Fassade / Laterne / Turmknauf und Wetterfahne

Das Hauptaugenmerk lag bei der Sanierung auf der Wiederherstellung der ursprünglichen Turmansicht. Dazu gehörten u.a. die Erneuerung des Außenputzes, der Fenster und Fensterläden, der Schiefereindeckung und der Turmbekrönung. Der Turmknauf bedurfte keiner Veränderung. Lediglich Reinigung und kleine Reparaturen waren erforderlich. Den im Turmknauf vorgefundenen Dokumenten wurde eine weitere Dokumentenhülse beigefügt. Die Wetterfahne konnte nach fotografischen Vorlagen nachgebildet werden.

Blick hinter die Uhr Blick hinter die Uhr (Bild: Michael Miltzow)

Turmuhr

Die Turmuhr mit dem „Schnapphans“ war ein Novum in der thüringer Turmuhrenlandschaft und darüber hinaus. Der Schnapphans (Hans von Jene) schnappt zu jeder vollen Stunde nach einer goldenen Kugel an einem Stab, die ein Pilger hält. Rechts von der Uhr befindet sich ein Engel, der zum Viertelstundenschlag eine Glocke bewegt. Die Überlieferung zeigt, dass sich die Uhr 1577 in einer anderen Kombination vor dem nördlichen Walm in einem Uhrenhäuschen befand.

Ziffernblatt vor und nach Sanierung Ziffernblatt vor und nach Sanierung (Bild: KIJ / Michael Miltzow)

Ziffernblatt

Mit der Befundung während der Sanierung konnten Reste der barocken farblichen Erstfassung nachgewiesen und rekonstruiert werden. Die ornamentale Bemalung auf dem Bekrönungs- und Basisblech musste jedoch frei interpretiert werden. Schnapp- hans, Engel und Jakobsfigur wurden 1970 nach den Originalen im Stadtmuseum abgeformt. Nach einer Überarbeitung erhielten die Figuren aus Aluminiumguss eine neue Farbfassung, die sich an den Farben der Originalen orientiert.

Teile des sanierten Dachstuhls Teile des sanierten Dachstuhls (Bild: Michael Miltzow)

Sanierung des Holztragwerkes der Dachkonstruktion

Nach Begutachtung der an den Turm anschließenden Holzkonstruktion und in den Trauf- und Kehlbereichen wurden an den Balkenköpfen und Sparrenfüßen Schäden festgestellt. Von Januar bis August 2010 wurden die Außenwandauflagerbereiche in diesen Bereichen instand gesetzt. Dabei erfolgte u.a. die Freilegung der in den 1980er Jahren einbetonierten Balkenköpfe und Sattelhölzer und ein umfangreicher Austausch geschädigter Hölzer.

Projektbeteiligte

Die Projektleitung erfolgte durch den Eigenbetrieb der Stadt Jena, Kommunale Immobilien Jena. Projektleiter waren Frau Joost und Frau Persch. Die Arbeiten erfolgten in enger Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde Jena und dem Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege. Weiter Beteiligte waren unter anderem: - IB W. Schröder - Planung, Bauleitung und Tragwerksplanung - IB für Holzschutz, Pilz- und Insektenbefall M.Voigt, Leipzig - Holzschutzgutachten - Restaurator B. Sellin - Metall, Turmspitze mit Wetterfahne, Uhr, Glockenturm - Restaurator W. Bruhm - Uhr und plastisches Bildwerk - Restaurator M. Matz - Putz, Farbfassung, Fassade Die Sanierungsmaßnahme wurde durch Städtebau-Fördermittel und Eigenmittel von KIJ finanziert.